Der Weg der Unsterblichen

250 Kilo­me­ter von Odesa liegt Boh­da­niwka, wo die Wehr­macht und ihre Helfer im Winter 1941/42 ein Mas­sa­ker an Jüdinnen und Juden beging. Einmal jähr­lich kehren Nach­kom­men der Opfer an den Ort des Ver­bre­chens zurück. Ich habe sie begleitet.

„Viel­leicht war Weih­nach­ten der Grund, Sie wissen schon: Christ­mas“, sagt Samuel Bykov und hält sich fester mit beiden Händen an der Sitz­lehne vor sich fest. Der Bus schleu­dert uns hin und her, ich packe den Block für meine Notizen wieder in den Ruck­sack und nehme den Rest unseres Gesprächs mit dem Smart­phone auf. Samuel Bykov dreht sich nach hinten zu den voll besetz­ten Reihen und ruft: „Ja Leute, als Kinder mussten wir Stalin für unsere glück­li­che Kind­heit danken und Hitler für diese guten Straßen.“ Typisch Odesit, denke ich: Immer einen Scherz parat. Dabei lebt Bykov länger in den USA als in der Ukraine, die er 1979 ver­las­sen hatte, wie er mir später erzählt. „Ich weiß nicht genau, warum die deut­schen Lager­lei­ter den Befehl gaben, uns nicht zu erschie­ßen, aber die Rumänen und ihre Helfer hörten an diesem Dezem­ber­tag plötz­lich auf“, fährt der 81-Jährige wieder im ernsten Ton fort. Unmit­tel­bar davor seien 27 seiner Fami­li­en­mit­glie­der vor den Augen seiner Mutter, Oma und Schwes­ter durch Kugeln gestor­ben. „Natür­lich auch vor meinen Augen, ich war ja auf Mutters Armen, aber ich war erst 18 Monate alt und habe das natür­lich nicht ver­stan­den“, ergänzt er.

Samuel – Mitya – Bykov, Vize­prä­si­dent von „Strenght of huma­nity“, einer „Holo­caust Remem­brance Asso­cia­tion“ aus New York.

Den gesamten Beitrag können Sie auf www.unkraineverstehen.de lesen, ein Projekt des Zentrums Liberale Moderne.

Der „Weg der Unsterblichen“ führt zum Mahnmal, das in Erinnerung an die 54.000 Getöteten errichtet wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.