Die unwahrscheinliche Heimkehr einer Schwarzmeerdeutschen

Menschen wie Elena Bieber trifft man heute nur selten in der Ukraine. Sie hat ihr Leben nämlich in genau dem Dorf verbracht, das ihre deutschen Vorfahren vor über 200 Jahren am Schwarzen Meer mitgegründet hatten. Vor 1954 aber riss der Zweite Weltkrieg Elena Bieber und ihre Familie aus der Südukraine bis nach Berlin und anschließend weit in den Osten der Sowjetunion. Oft trennten nur Millimeter sie von einer tödlichen Bombe, vor dem Verhungern oder Erfrieren. Ihre außergewöhnliche und gleichzeitig für Deutsche aus der Ukraine typische Lebensgeschichte erzählte sie mir in ihrem Haus in Neuburg, 30 Kilometer südlich von Odesa.  

„Die unwahrscheinliche Heimkehr einer Schwarzmeerdeutschen“ weiterlesen

Bessarabien: Die verschwundenen Deutschen

„Eine Grundidee von Bessarabien vor rund 200 Jahren war, dass unterschiedliche Völker hierherkommen, ihr Wissen mitbringen, es teilen und sich gegenseitig wirtschaftlich und kulturell bereichern“, sagt Elena Menshykova. Wir stehen vor der Sonne geschützt unter einem der vielen Bäume auf dem Marktplatz von Tarutyne, 150 Kilometer südwestlich von Odesa, im Herzen Bessarbiens. An uns laufen lachende Menschen in bunten traditionellen Kostümen vorbei, der Geruch nach Gegrilltem schwebt in der Luft, Musik aus allen Richtungen lädt zum Tanzen ein. Wir befinden uns mitten auf dem „Bessarabskij Jarmarok“, einer Art Jahrmarkt der Kulturen und dem wichtigsten Fest des Jahres. Dort werde ich heute die „Grundidee“, von der Germanistin Elena Menshykova spricht, erleben.

„Bessarabien: Die verschwundenen Deutschen“ weiterlesen

„Heimat hat nichts mit Nationalität zu tun“

„Ich wusste nicht, dass mein Vater Deutscher war“, sagt Elvira Plesskaja-Sebold, nachdem wir uns auf eine Bank neben der Odesaer Oper gesetzt haben. Sie packt eine Mappe aus vergilbtem Karton und mit abgegriffenen Ecken heraus. Das schwarzweiße Portrait eines jungen Mannes fällt uns entgegen. „Das ist er“, sagt sie. Erst als sie sich Ende der 1950er um einen Studienplatz an einer Hochschule in Moskau bewerben wollte, erfuhr sie von seiner Herkunft. „Dein Vater war Deutscher, du bekommst nur Schwierigkeiten“, warnte ihre Mutter sie. Nur wenige Deutsche durften nämlich in der Sowjetunion studieren und schon gar nicht in Moskau oder dem damaligen Leningrad. Studiert hat die schon damals zielstrebige Frau später trotzdem – nicht in Moskau zwar, aber in einer russischen Kleinstadt.

„„Heimat hat nichts mit Nationalität zu tun““ weiterlesen