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Herzlich willkommen!

Hier lesen Sie seit Anfang Juni die Beiträge von Ira Peter, der Stadtschreiberin Odessa/Одеса 2021. Ira Peter wurde in Kasachstan geboren. Ihre Großeltern waren deutsche Kolonisten in Wolhynien, Westukraine, und wurden 1936 nach Nordkasachstan deportiert. Seit 1992 lebt Ira Peter in Süddeutschland und arbeitet als freie PR- und Marketingberaterin, Autorin und Journalistin.

„Unser kulturelles Erbe wird vernichtet“

Sie ist eine der warmherzigsten Personen, die ich in Odesa kennenlernen durfte. Und eine der engagiertesten: Elena Saidel. Eigentlich ist sie Lehrerin in Ovidiopol, einer kleinen Stadt westlich von Odesa. Ihr Leben gehört aber der ukrainischen Volkskunst: Seit Jahrzehnten sammelt sie Gemälde und traditionelle Handarbeiten und stellt diese aus. Das Gebäude, in dem sie bis vor kurzem noch Bastelkurse für Kinder gegeben hat, dient ihrer Stadt seit vier Wochen als Stützpunkt für Freiwilligenarbeit. Welche Aufgaben Elena dort hat, warum sie nicht mit ihren Kindern nach Deutschland geflüchtet ist und wie ihr Alltag gerade aussieht – darüber sprach ich mit ihr am Sonntagabend.

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„Ich verstehe, dass das psychischen Druck erzeugen soll“

In Odesa ist Mitternacht. Ich sehe Romans Gesicht neben meinem auf dem Bildschirm meines Laptops. Wir haben uns zum Zoom-Gespräch verabredet. Er lächelt, wirkt fast so entspannt und gut gelaunt wie ich ihn kenne. Seine Stimme jedoch klingt viel weniger hell als sonst. Im Sommer waren wir gemeinsam unterwegs in der Südukraine, um ehemalige deutsche Kolonien zu finden. Roman ist Dozent für Tourismus an einer der Hochschulen in Odesa. Nebenberuflich arbeitet er als Fremdenführer und Fahrer, hat oft mit internationalen Gästen in und um Odesa zu tun. Ich möchte wissen, wie es ihm derzeit in Odesa geht und was in der Stadt gerade passiert.

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Abschiedsschmerz

Am 31. Oktober 2021 verließ ich die Ukraine. Ich stand an der Passkontrolle am Flughafen in Odesa. Die Grenzbeamtin drückte das Datum in meinen deutschen Reisepass und fragte mich plötzlich, ob meine Eltern aus der Ukraine kommen. „Nein, aber meine Großeltern“, sagte ich und fühlte einen irrationalen Anflug von Stolz. Sie lächelte warm und machte mir den Abschied schwerer als er nach fünf Monaten in der Ukraine ohnehin schon war.

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Im Gleichklang des Schweigens

Unterschiedliche Kulturen und Sprachen webten sich ein in die Geschichte der Ukraine – die einzelnen Fäden zu entwirren, hat sich Ira Peter als Stadtschreiberin in Odesa zur Aufgabe gemacht. Besonders das Erbe der Juden und Deutschen, das allgegenwärtig und doch oft verborgen diesem Land inne ist, berührt sie. Beide Gruppen prägten die Region über Jahrhunderte hinweg, beide erlitten während des Zweiten Weltkrieges und in der Sowjetzeit unfassbares Leid – in Bezug auf den Holocaust an Jüdinnen und Juden jegliche Vorstellungskraft sprengend.

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Deutsch in Odesa: Einblick in eine außergewöhnliche Schule

„Willkommen“ steht über einer Tür im Foyer, rechts davon informiert eine Tafel über das Deutsche Sprachdiplom. Neben dem Bayerischen Haus ist diese Einrichtung die zweite deutsche Insel im ukrainischen Odesa: eine Schule mit über 900 Schülerinnen und Schülern, die von der ersten Klasse bis zur ukrainischen Hochschulreife Deutsch als erste Fremdsprache lernen. Seit über 60 Jahren ist die „Schule Nr. 90“ die einzige in der Region Odesa mit diesem Schwerpunkt. Nur hier können junge Menschen das Deutsche Sprachdiplom erwerben, um nach Abschluss direkt an einer deutschsprachigen Hochschule zugelassen zu werden.

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Die Stille bei Neu-Karlsruhe

Zehn Jahre ging ihr diese Geschichte nicht aus dem Kopf. Schließlich musste Katharina Martin-Virolainen das Erlebte von „Oma Julia“ in einem Buch festhalten. Die Geschichte, auf der ihr 2021 veröffentlichter Roman „Die Stille bei Neu-Landau“ basiert, beginnt in Neu-Karlsruhe, einer ehemaligen deutschen Kolonie nordöstlich von Odesa. Ich begleite die Autorin zu diesem Ort in der Ukraine. Dort sprechen wir über den Lebensweg der Menschen, für die Neu-Karlsruhe bis 1944 Heimat war, über unterschätzen Rechercheaufwand und notwendige Schreibpausen. Auch beschreibt die russlanddeutsche Autorin, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal dort zu stehen, wo sie gedanklich zwei Jahre verbracht hatte. 

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Drei Gründe, warum du Odesa hassen wirst

Perle am Schwarzen Meer, Paris des Ostens, Palmyra des Südens, Hauptstadt des Humors – bescheiden sind die Odesiten wirklich nicht. Vermutlich haben sie sich die schmückenden Namen sogar selbst gegeben. Für ihre prahlerische Art gibt es sogar einen Ausdruck „одесские понты“ (odesskie ponty). Er bezeichnet Menschen, die gern etwas mehr scheinen als sie sind. Aber das ist noch lange nicht alles, was du über Odesa erfahren solltest, um die Stadt im Süden der Ukraine aus tiefsten Herzen zu hassen.

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Güldendorf will seinen Namen zurück

Google kennt „Güldendorf“ schon. Gibt man den Namen in der Suchmaschine ein, zeigt sie als ersten Treffer das Dorf Krasnosilka nördlich von Odesa an. Ein Teil der Menschen in Krasnosilka, wie Güldendorf seit 1945 offiziell heißt, möchte den einst von deutschen Kolonisten vergebenen Ortsnamen zurück. Warum und wie die Bürgermeisterin die angestrebte Volksabstimmung betrachtet, darüber sprach ich mit ihr und einer „Güldendorf“-Aktivistin.  

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Gegen das Vergessen

Der Geruch nach verbranntem Fleisch hing einen Monat über Odesa. Vor genau 80 Jahren wurden etwa 25.000 Menschen, zumeist jüdische Frauen, Kinder und alte Menschen, bei lebendigem Leib in der Stadt am Schwarzen Meer verbrannt. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen oder in die Luft gesprengt. Dieser Opfer zu gedenken war in der Sowjetunion verboten. Über den Holocaust zu sprechen und Orte des Erinnerns zu schaffen ist in der Ukraine erst seit ihrer Unabhängigkeit möglich. Ein solcher Ort soll nun in Odesa entstehen: dort wo unschuldige Menschen im Oktober 1941 qualvoll starben. Gestern legte das Berliner Zentrum Liberale Moderne im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zusammen mit dem Regionalverband der Juden und ehemaligen Gefangenen des Ghettos und der Konzentrationslager in Odessa sowie der Stadt Odesa einen Grundstein dafür.

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Ein Dorf, das nicht mehr existieren soll

Wolhynchen, immer ging es um Wolhynchen. Stundenlang saßen sie in der Küche bei schwachem Licht zusammen und erzählten sich Geschichten aus ihrer Heimat Wolhynien im Westen der Ukraine. Vielleicht lieben wir Dinge und Menschen umso stärker, wenn sie uns mit Gewalt entrissen werden. Meine Großeltern haben ihr Wolhynchen jedenfalls bis zum letzten Atemzug verehrt wie eine Mutter. Zu ihr zurückkehren durften sie trotz aller Liebe nie, selbst dann nicht, als Stiefmutter Kasachstan sie hungern und frieren ließ. 85 Jahre nachdem meine Großeltern aus der Ukraine deportiert worden waren, will ich das Dorf sehen, das ihnen als Leinwand für ihre Sehnsucht diente. Auch wenn mein Vater sagt: „Es ist nichts mehr übrig von Towine.“

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