Der Weg der Unsterblichen

250 Kilo­me­ter von Odesa liegt Boh­da­niwka, wo die Wehr­macht und ihre Helfer im Winter 1941/42 ein Mas­sa­ker an Jüdinnen und Juden beging. Einmal jähr­lich kehren Nach­kom­men der Opfer an den Ort des Ver­bre­chens zurück. Ich habe sie begleitet.

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Die unwahrscheinliche Heimkehr einer Schwarzmeerdeutschen

Menschen wie Elena Bieber trifft man heute nur selten in der Ukraine. Sie hat ihr Leben nämlich in genau dem Dorf verbracht, das ihre deutschen Vorfahren vor über 200 Jahren am Schwarzen Meer mitgegründet hatten. Vor 1954 aber riss der Zweite Weltkrieg Elena Bieber und ihre Familie aus der Südukraine bis nach Berlin und anschließend weit in den Osten der Sowjetunion. Oft trennten nur Millimeter sie von einer tödlichen Bombe, vor dem Verhungern oder Erfrieren. Ihre außergewöhnliche und gleichzeitig für Deutsche aus der Ukraine typische Lebensgeschichte erzählte sie mir in ihrem Haus in Neuburg, 30 Kilometer südlich von Odesa.  

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Verweil, Zeit! Interview auf dem schönsten Friedhof der Ukraine

Ich hatte wie so oft ein Zeitproblem. Es war Sonntagmorgen, der letzte von drei Tagen des „MERIDIAN Czernowitz“ Lyrikfestivals sollte viele besonders interessante Lesungen und Filmpräsentationen bieten. Ich wollte keine verpassen. Vor der ersten Veranstaltung wollte ich noch ein Interview führen mit Tomer Dotan-Dreyfus, einem in Israel geborenen Autor und Übersetzer aus Berlin. Ich wollte aber auch unbedingt den alten jüdischen Friedhof in Tscherniwzi besuchen. Eine Freundin hatte ihn als absolutes Highlight der Stadt in der Bukowina empfohlen. Spontan fragte ich Tomer, ob wir unser Interview nicht auf dem Friedhof halten könnten.

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„Wir sind immer noch Geflüchtete“

Noam Partom gehört in Israel zur sogenannten dritten Generation. Ihre Großeltern flüchteten vor den Nationalsozialisten aus Mittel- und Osteuropa nach Israel. Zum ersten Mal besuchte die Dichterin und Performancekünstlerin im September anlässlich des internationalen „MERIDIAN“ Lyrikfestivals in Chernivtsi die Ukraine – das Land, in dem mehr als eine Million Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden. Diese Reise hat ihren Blick auf die Enkelgeneration von Geflüchteten in Israel und jüdische Einwanderer:innen aus der Sowjetunion in ihr Geburtsland verändert. Über ihre Eindrücke sprach die 35-Jährige mit mir in Odesa.

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„Die Geschichte eines Juden in der Sowjetunion“

Sein Name ist weit über die Ukraine hinaus bekannt, auch mit Deutschland verbinden ihn viele gemeinsame Projekte und Freundschaften: Roman Schwarzman. Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Verbandes der Ghetto- und KZ-Überlebenden in Odesa und setzt sich seit über 30 Jahren für Holocaust-Überlebende ein. Warum er sein Leben als typisch für einen sowjetischen Juden bezeichnet, wie er das Ghetto in Berschad, nördlich von Odesa, überlebte und über seine Verbindung zu Steven Spielberg – darüber sprach ich mit ihm.

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Bessarabien: Die verschwundenen Deutschen

„Eine Grundidee von Bessarabien vor rund 200 Jahren war, dass unterschiedliche Völker hierherkommen, ihr Wissen mitbringen, es teilen und sich gegenseitig wirtschaftlich und kulturell bereichern“, sagt Elena Menshykova. Wir stehen vor der Sonne geschützt unter einem der vielen Bäume auf dem Marktplatz von Tarutyne, 150 Kilometer südwestlich von Odesa, im Herzen Bessarbiens. An uns laufen lachende Menschen in bunten traditionellen Kostümen vorbei, der Geruch nach Gegrilltem schwebt in der Luft, Musik aus allen Richtungen lädt zum Tanzen ein. Wir befinden uns mitten auf dem „Bessarabskij Jarmarok“, einer Art Jahrmarkt der Kulturen und dem wichtigsten Fest des Jahres. Dort werde ich heute die „Grundidee“, von der Germanistin Elena Menshykova spricht, erleben.

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Liebesbrief

Dein Ruf eilte dir voraus: umtriebig sollst du sein, gaunerhaft. Aber auch schön und witzig. Deinen Humor habe ich jedoch nicht auf Anhieb verstanden. Wusste nicht: Willst du mich jetzt auf den Arm nehmen oder meinst du etwas ernst? Du warst aber von Anfang an herzlich und unglaublich offen. Vielleicht liegt es daran, dass du so viele verschiedene Kulturen in dir trägst, die ukrainische, französische, italienische, deutsche, jüdische, griechische und so viele mehr.

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Deutsche Postkartenmotive in der ukrainischen Volksmalerei

Kinder in deutschen Trachten beim Blumensammeln, süddeutsche Dörfer, Engel und blonde, großäugige Mädchen mit Katzen – Motive, die vor rund fünfzig Jahren in fast jedem Haus in der ländlichen Ukraine als Ölgemälde zu finden waren. Doch wie entstanden diese teils verbotenen Werke ab Mitte der 1940er Jahre in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine?

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Sechs häufige Fragen zu Odesa

Nur zwei Stunden Flug trennen Berlin von Kyiv, trotzdem scheint die Ukraine oft sehr weit von Deutschland entfernt zu sein. Sie ist kein EU-Land, grenzt an Deutschland nicht direkt an, ist irgendwie eines dieser Länder, die mal zur Sowjetunion gehört haben. Vielleicht interessiert sich Deutschland eines Tages mehr für das Land im Osten. Mich erreichen jedenfalls aus Deutschland täglich Fragen zu Odesa und der Ukraine, ein gutes Zeichen vielleicht – hier die sechs häufigsten.

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„Eine deutsche Insel in Odesa“

Odesa war seit der Gründung 1794 eine internationale Stadt. Die ersten Statthalter kamen aus Neapel und Paris, später bestimmten auch Deutsche, Griechen und Juden die Kultur und Wirtschaft der Stadt am Schwarzen Meer. Bis heute zeichnen sich Einrichtungen der polnischen, französischen, italienischen, georgischen, jüdischen und griechischen Community ein in die kulturelle Landschaft der ukrainischen Metropole.

Einrichtungen wie „Wiedergeburt“ oder die „Deutsche Jugend“ repräsentieren die deutsche Minderheit der Stadt. Eine besondere Stellung nimmt das „Bayerische Haus“ in Odesa ein. Seit fast 30 Jahren schlägt es auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene eine Brücke zwischen der Ukraine und Deutschland. Seine Gründung jedoch hat etwas mit Zentralasien und Sibirien zu tun – was genau und welche Funktionen das Haus heute erfüllt, darüber sprach ich mit der Direktorin der Einrichtung, Maria Degtjarenko.

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